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RADREISEN

Familien-Radurlaub auf Bornholm: Mit Lastenrad, Kindern und ordentlich Gegenwind einmal um die Insel

Radurlaub mit Kindern klingt in der Theorie idyllisch – in der Praxis können Gepäck, unterschiedliche Leistungsniveaus und schlechte Laune am nächsten Anstieg schnell zur Herausforderung werden. Eine Familienreise auf Bornholm zeigt, warum das Lastenrad dabei eine interessante Lösung sein kann.

Wer mit der ganzen Familie verreisen möchte, kennt das Problem: Die einen wollen ans Meer, die anderen etwas erleben – und möglichst soll niemand nach zwei Tagen genervt sein. Eine Radreise wirkt da zunächst nicht unbedingt wie die einfachste Lösung. Erst recht nicht mit Kindern und Gepäck für mehrere Tage.

Auf der dänischen Ostseeinsel Bornholm lässt sich jedoch beides miteinander verbinden: Strandurlaub und mehrtägige Fahrradtour. Besonders interessant ist dabei ein Konzept, bei dem Lastenräder nicht nur das Gepäck transportieren, sondern gleichzeitig als Reserve für müde Kinder dienen.

Genau das hat Autor Thomas Geisler gemeinsam mit seiner Familie ausprobiert. In einer Woche legte die vierköpfige Familie rund 140 Kilometer auf Bornholm zurück. Übernachtet wurde dabei nicht klassisch im eigenen Zelt, sondern in bereits aufgebauten Glamping-Zelten und Hütten auf Campingplätzen.

Lastenrad statt Minimalgepäck

Einer der größten Vorteile dieser Reiseform zeigt sich schon beim Packen. Wer bereits eine klassische Bikepacking- oder Radreise gemacht hat, weiß: Jedes zusätzliche Kleidungsstück und jedes unnötige Teil wird irgendwann zum Problem.

Mit zwei Lastenrädern sieht die Sache entspannter aus.

Neben Kleidung fanden unter anderem Badesachen, Lebensmittel, Spiele, Sandspielzeug, Picknickdecke, Fahrradzubehör und weitere Ausrüstung Platz. Die Kinder waren dagegen auf ihren eigenen Fahrrädern unterwegs. Falls Kraft, Motivation oder Wetter nicht mehr mitspielen sollten, konnten sie ins Lastenrad umsteigen.

Gerade für Familien, die erstmals einen Radurlaub ausprobieren möchten, kann genau diese Reserve entscheidend sein. Denn niemand muss bereits vor dem Urlaub wissen, ob ein Kind tatsächlich jeden Tag 20, 30 oder 40 Kilometer fahren kann.

Die erste Erkenntnis: Als Familie muss man sein Tempo finden

Die längste Etappe führte direkt zu Beginn über rund 40 Kilometer von Rønne an der Südküste entlang nach Dueodde.

Dabei zeigte sich schnell ein Problem, das vermutlich viele Familien kennen: Gemeinsam Fahrrad fahren bedeutet nicht automatisch, gemeinsam im gleichen Tempo zu fahren.

Während eines der Kinder problemlos mithalten konnte, fiel die jüngere Tochter an den Anstiegen häufiger zurück. Gleichzeitig sorgt ein schwer beladenes Lastenrad bergab für ordentlich Schwung. Das Ergebnis: Die Familie zog sich auf der Strecke immer wieder auseinander.

Die Lösung war überraschend simpel. Die Kinder fuhren anschließend gemeinsam vorne, die Eltern dahinter. Dadurch bestimmten automatisch die Kinder das Tempo. Aus dem ständigen Warten und Zurückblicken wurde eine gemeinsame Tour.

Und natürlich hilft unterwegs etwas, das bei jeder Familien-Radtour funktionieren dürfte: Pausen.

Statt möglichst schnell Kilometer abzuspulen, wurden Strandstopps, Essen und Spielen ganz selbstverständlich Teil der Tagesplanung.

Bornholm zeigt zwei völlig unterschiedliche Gesichter

Bornholm gilt als attraktive Fahrradregion. Die Insel bietet Küstenwege, Wälder, kleine Hafenorte und vergleichsweise überschaubare Distanzen.

Ganz ohne Herausforderungen ist eine Inselumrundung allerdings nicht.

Während die südlichen Abschnitte teilweise entspannt verlaufen, wird das Gelände Richtung Norden hügeliger. Auf einer Etappe warteten mehr als 300 Höhenmeter auf rund 30 Kilometern, verteilt auf zahlreiche kurze Anstiege. Gleichzeitig machte starker Gegenwind mit Böen von laut Wetter-App rund 40 bis 50 km/h die Fahrt deutlich schwieriger.

Gerade an diesem Tag zeigte sich der Vorteil des flexiblen Reisekonzepts.

Als die Bedingungen für die Kinder zunehmend schwierig wurden, kam zusätzlich ein Abschleppseil zum Einsatz. Nach einem Sturz musste die Familie schließlich sogar überlegen, eines der Kinder komplett im Lastenrad weiterzutransportieren.

Nach einer längeren Pause an den Helligdomsklipperne konnte die Tour schließlich gemeinsam fortgesetzt werden.

Radreise bedeutet nicht jeden Tag Kilometer sammeln

Interessant ist auch der Ansatz bei den Pausentagen.

Denn ein Pausentag bedeutete keineswegs, dass die Fahrräder stehen blieben. Stattdessen wurden die Kinder ins Lastenrad gesetzt und Sehenswürdigkeiten besucht. So ging es beispielsweise zur Nordspitze Bornholms und zu den Leuchttürmen Hammerodde Fyr und Hammeren Fyr.

Am Ende kamen selbst an diesem vermeintlichen Ruhetag rund 20 Kilometer zusammen.

Das zeigt einen wichtigen Punkt: Ein Familien-Radurlaub muss keine sportliche Etappenfahrt sein.

Das Fahrrad wird vielmehr zum Verkehrsmittel des Urlaubs. Mal sitzt die ganze Familie selbst im Sattel, mal wird ein Kind gezogen und an einem anderen Tag übernimmt das Lastenrad den Transport.

Lastenrad als Sicherheitsnetz für Familien

Karen Rike Greiderer, Organisatorin der Reise, sieht genau darin einen entscheidenden Vorteil gegenüber einer klassischen Radreise.

Kann ein Kind eine Etappe nicht mehr bewältigen, wird das Wetter schlechter oder fällt die Strecke anspruchsvoller aus als erwartet, bietet das Lastenrad eine zusätzliche Möglichkeit, die Reise trotzdem fortzusetzen. Gleichzeitig entfällt für Familien der Druck, ihre komplette Ausrüstung von Beginn an auf minimales Radreisegepäck reduzieren zu müssen.

Für Einsteiger kann dieses Backup einen großen Unterschied machen.

Denn die größte Hürde beim ersten Fahrradurlaub mit Kindern dürfte weniger die einzelne Etappe sein als die Unsicherheit: Was machen wir, wenn es plötzlich nicht mehr funktioniert?

Ein Lastenrad liefert darauf zumindest eine ziemlich praktische Antwort.

Ist Bornholm für einen Familien-Radurlaub geeignet?

Nach rund 140 Kilometern fällt das Fazit der Reise positiv aus. Abgesehen von dem besonders windigen Tag waren die Strecken auch mit Kinderrädern und beladenen Lastenrädern gut zu bewältigen.

Allerdings sollte man die Insel nicht komplett unterschätzen. Gerade im Norden gibt es kurze, kräftige Steigungen. Auf der letzten Etappe warteten Rampen mit bis zu 14 Prozent sowie ein Abschnitt mit bis zu 22 Prozent Gefälle, an dem Fahrräder geschoben werden mussten.

Wer eine Reise mit Kindern plant, sollte deshalb weniger mit Durchschnittsgeschwindigkeiten und Tageskilometern rechnen, sondern genügend Zeit für Pausen, Umwege und spontane Planänderungen einplanen.

Genau darin liegt aber vielleicht auch der Reiz.

Statt möglichst schnell von A nach B zu kommen, wird bereits der Weg zum eigentlichen Urlaub.

Praktische Informationen zur Tour

Ausgangspunkt der Reise ist Rønne auf Bornholm. Die Anreise erfolgt beispielsweise über Sassnitz auf Rügen und anschließend per Fähre. Laut Reisebeschreibung dauert die Überfahrt etwa dreieinhalb Stunden.

Lastenräder und eine individuelle Tourenplanung können über den Veranstalter Runde Reise organisiert werden. Für hügelige Abschnitte kann außerdem ein spezielles Zug- beziehungsweise Abschleppsystem für Kinder hilfreich sein.

Quelle: pressedienst-fahrrad / Thomas Geisler. Der ursprüngliche Reisebericht erschien erstmals in Elektrorad 08/2025.

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PatrickKreft

Mountainbike Rookie | Fotograf | Chefredakteur

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