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Schwalbe weitet Reifenrecycling aus: Pilotprojekt startet in Österreich

Das von Schwalbe in Deutschland aufgebaute Rücknahme- und Recyclingsystem für Fahrradreifen geht den nächsten Schritt. Erstmals wird das Konzept international ausgeweitet. Den Anfang macht Österreich, weitere Pilotprojekte in den Niederlanden, Belgien und Luxemburg sollen folgen.

Alte Fahrradreifen gehören zu den Dingen, bei denen sich vermutlich viele Radfahrer schon einmal gefragt haben: Wohin eigentlich damit? Während Schläuche bereits seit längerer Zeit gesammelt und recycelt werden, ist die Wiederverwertung kompletter Fahrradreifen technisch deutlich aufwendiger.

Schwalbe hat hierfür gemeinsam mit der TH Köln und der Pyrum Innovations AG ein eigenes Recyclingverfahren beziehungsweise Rücknahmesystem etabliert. Seit Juli 2022 können gebrauchte Fahrradreifen über teilnehmende Fachhändler gesammelt und einer Wiederverwertung zugeführt werden.

Jetzt exportiert der Hersteller dieses Konzept erstmals ins Ausland.

Österreich macht den Anfang

© Schwalbe

In Österreich startet zunächst ein Pilotprojekt mit ausgewählten Fahrradhändlern. Dabei sollen vor allem die logistischen Abläufe und Prozesse des Rücknahmesystems getestet werden. Der reguläre Betrieb ist anschließend für das Jahr 2027 vorgesehen.

Dabei spielt es keine Rolle, von welchem Hersteller die abgegebenen Reifen stammen. Verbraucher sollen ihre gebrauchten Fahrradreifen bei teilnehmenden Fachhändlern zurückgeben können.

Österreich ist allerdings nur der erste Schritt. Auch in den Niederlanden, Belgien und Luxemburg sind in den kommenden Monaten entsprechende Pilotprojekte geplant. Bis Ende 2027 möchte Schwalbe das Rücknahme- und Recyclingsystem in allen vier Ländern etabliert haben.

Mehr als 2,6 Millionen Fahrradreifen gesammelt

Dass Schwalbe das System nun international ausrollt, kommt nicht ganz überraschend. In Deutschland hat sich inzwischen ein vergleichsweise großes Händlernetz entwickelt.

Nach Angaben des Herstellers beteiligen sich mittlerweile mehr als 2.000 Fahrradhändler am Reifenrecycling. Seit dem Start des Programms im Jahr 2022 wurden bis August 2026 bereits mehr als 2,6 Millionen gebrauchte Fahrradreifen gesammelt und recycelt.

Damit entwickelt sich aus dem ursprünglich deutschen Pilotprojekt zunehmend ein geschlossenes Kreislaufsystem für Fahrradreifen.

Was passiert mit den alten Reifen?

© Schwalbe

Die Reifen werden zunächst beim teilnehmenden Fachhandel in speziellen Recyclingboxen gesammelt. Anschließend gelangen sie zur Pyrum Innovations AG.

Dort werden die Reifen zerkleinert und zunächst in verschiedene Bestandteile wie Gummigranulat, Stahl und Gewebe getrennt. Danach kommt ein Pyrolyseverfahren zum Einsatz.

Dabei entstehen unter anderem:

  • recovered Carbon Black, kurz rCB
  • Pyrolyseöl
  • Prozessgas

Das Prozessgas wird wiederum zur Energieversorgung der Anlage eingesetzt. Ein wesentlicher Bestandteil des Systems ist außerdem das zurückgewonnene Carbon Black. Dieser Sekundärrohstoff kann erneut bei der Herstellung neuer Reifen eingesetzt werden.

Recyclingmaterial landet wieder in neuen Schwalbe-Reifen

Besonders interessant ist dabei der tatsächliche Rückfluss des Materials in die Produktion.

Nach Angaben von Schwalbe wird das zurückgewonnene rCB inzwischen bei rund 70 Prozent des gesamten Produktportfolios eingesetzt. Der Hersteller gibt außerdem an, dass das im Recyclingprozess erzeugte rCB gegenüber fossilem Industrieruß rund 73 Prozent weniger Treibhausgasemissionen pro Tonne verursacht. Grundlage hierfür ist laut Schwalbe der partielle CO₂-Fußabdruck bis zum Werkstor nach GWP100 beziehungsweise IPCC AR6.

Damit geht das Projekt über die reine Entsorgung alter Reifen hinaus. Ein Teil der Rohstoffe landet tatsächlich wieder in der Produktion neuer Produkte.

Ein sinnvoller Schritt für die Fahrradbranche

© Schwalbe

Gerade bei Verschleißteilen wie Reifen entstehen in der Fahrradbranche zwangsläufig große Materialmengen. Mountainbike-, Gravel- oder E-Bike-Reifen werden abhängig von Nutzung und Untergrund teilweise regelmäßig ersetzt.

Ein funktionierendes Händlernetz zur Rückgabe dürfte deshalb einer der entscheidenden Faktoren sein, damit Recyclingangebote auch tatsächlich genutzt werden. Niemand möchte für einen einzelnen alten Fahrradreifen komplizierte Versand- oder Entsorgungswege in Kauf nehmen.

Dass sich in Deutschland bereits mehr als 2.000 Händler beteiligen, zeigt, dass ein solches System grundsätzlich skalierbar ist.

Die Ausweitung nach Österreich sowie anschließend in die Benelux-Länder ist deshalb ein interessanter nächster Schritt. Entscheidend wird langfristig sein, wie dicht das Rücknahmenetz wird und ob sich ein solches Kreislaufsystem auch über weitere europäische Märkte hinweg etablieren lässt.

Für Radfahrer wäre das zumindest eine erfreulich einfache Lösung: alten Reifen beim Fahrradhändler abgeben – und einen Teil der enthaltenen Rohstoffe irgendwann möglicherweise in einem neuen Reifen wiederfinden.

Quelle
Quelle: Pressemitteilung Schwalbe vom 14.09.2026: „Schwalbe startet Reifenrecycling in Österreich mit Pilotprojekt“
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PatrickKreft

Mountainbike Rookie | Fotograf | Chefredakteur

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